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Kreisgruppe Bochum

Naturschutzwiese des BUND Bochum

Der BUND Bochum betreut eine kleine Streuobstwiese an der Schattbachstraße in Bochum-Querenburg. Die Obstgehölze werden durch regelmäßige Schnittmaßnahmen, auch im Zuge unserer jährlichen Schnittkurse, gepflegt. Neben dem Erhalt der Obstgehölze liegt uns auch der Schutz und die Förderung typischer Tier- und Pflanzenarten einer Streuobstwiese am Herzen.

Seit November 2015 pflegt der BUND Bochum eine Streuobstwiese

Aktuelle Informationen zu unserer Wiese findet Sie auf unserer Wiesen-Facebook-Seite

Bisher haben wir 452 Arten auf der Wiese entdeckt!

Die Fläche befindet sich in Bochum-Querenburg im Ruhrgebiet (NRW) an der Schattbachstraße Ecke Am Palmberg und wird uns von der Stadt Bochum zur Verfügung gestellt. Mittlerweile haben wir bereits eine Wildhecke, als typisches Strukturelement einer Streuobstwiese, und mehrere neue Obstbäume gepflanzt. Zudem wurden an verschiedenen Stellen Vogel- und Fledermausnistkästen angebracht.

Um den bisherigen Pflegestau aufzufangen, wurden und werden Obstgehölze geschnitten, auch im Zuge unserer jährlich stattfindenen Obstgehölz-Schnittkursen. Ergänzt um einen Zaun zur viel befahrenen Schattbachstraße, gewinnt die Streuobstwiese immer mehr an Charakter.

Wieso sind Obstwiesen so wertvoll?

Obstwiesen besitzen einen hohen ökologischen Wert. Sie erhöhen die Biodiversität, bieten vielen Tierarten Nahrung und Unterschlupf und bereichern das Landschaftsbild durch ihre Blütenpracht. Dabei sind gerade alte hochstämmige Obstbäume, die Baumhöhlen und Totholz aufweisen, von Bedeutung. Auf ihnen leben viele Insekten und Spinnentiere, die wiederum als Nahrung für Vögel und Säugetiere dienen.

Besonders wichtig ist uns neben den Obstbäumen aber auch die Wiese darunter. Hier steckt nämlich der Großteil der viel bemühten, außerordentlich hohen Artenvielfalt einer Obstwiese, sie werden aber heute oft vernachlässigt und lediglich als Zierrasen oder zur Schafbeweidung genutzt. Ein großes Potential für die viel bemühte, außerordentlich hohe Artenvielfalt auf einer Streuobstwiese geht dadurch verloren und bestäubende Insekten finden nach der Obstblüte nichts mehr für ihre Ernährung. 

BUND-Obstwiese im April  (© Armin Jagel)

Die Baumhöhlen der Gehölze werden gerne als Nistplätze genutzt. Die stark gefährdeten Steinkäuze (Athene noctua) und der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) sind u.a. typische Vogelarten einer Obstwiese. Auch zahlreiche Säugetierarten profitieren von Obstwiesen, wie beispielsweise Fledermäuse, Igel und Siebenschläfer. Nicht nur die Tier-, sondern auch die Pflanzenwelt findet hier eine Nische.

Warum greift der Mensch in das Ökosystem Obstwiese ein und lässt der Natur nicht freien Lauf?

Obstgehölzschnitt auf der Naturschutzwiese Obstgehölzschnitt auf der Naturschutzwiese  (© BUND Bochum)

Die Antwort darauf ist ganz leicht: ohne den Menschen gäbe es gar keine Obstwiesen! In der Natur kommen Obstwiese nicht vor, sondern werden erst vom Menschen geschaffen. Dementsprechend müssen sie regelmäßig durch Gehölzschnitt und Mahd oder Beweidung des Unterwuchses gepflegt werden. Geschieht dies nicht, erobern andere Laubbäume und -sträucher die Fläche zurück. Gerade an nährstoffreichen Standorten werden Obstwiesen ohne Mahd oder Beweidung schnell von Brennnesseln und Brombeeren unterwachsen. Werden die Obstgehölze nicht gepflegt, führt dies meist zu einer kürzeren Lebensdauer, wodurch sie das Alter, in dem sie ihren höchsten ökologischen Wert aufweisen, nicht mehr erreichen können.

Das Fazit lautet: Wenn eine Obstwiese im Sinne des Naturschutzes angelegt wird, muss diese auch regelmäßig bis ins hohe Alter der Gehölze gepflegt werden, damit sie wirklich einen Wert für die Natur darstellt.  

Obst - Wiese, eine Streuobstwiese ist mehr als Obst!

Wie es der Name ja sagt, besteht eine Obstwiese nicht nur aus den Obstbäumen, sondern diese stehen auf einer Wiese. Die hohe Artenvielfalt, die den Obstwiesen zugeschrieben wird, hängt zum größten Teil damit zusammen. Da zumindest bei uns im Raum eine klassische Wiesennutzung zur Gewinnung von Heu heute keine Rolle mehr spielt, wird die Wiese unter den Bäumen (nach LANUV-Terminologie die "Unternutzung") vernachlässigt. Kaum eine Wiese verdient heute noch diese Bezeichnung Wiese. Oft handelt es sich um Vielschnittrasen oder Weiden. Die Artenvielfalt einer Mähwiese geht dadurch verloren

Wir wollen auf der Naturschutzwiese wieder eine bunt blühende Wiese entwickeln. Viele typische, bunt blühende Wiesenarten sind bereits vorhanden, sie müssen aber gefördert werden, um nicht zwischen den häufigen Gräsern unterzugehen. Da eine Beweidung durch Schafe dafür nicht geeignet ist, mähen wir - einmal im Frühjahr und einmal im Spätsommer - und räumen das Mahdgut ab, um die über die Jahre angereicherten Nährstoffe zu reduzieren. Die Mahd erfolgt weitgehend nach alter klassischer Methode mit der Sense. 

Literatur zum Weiterlesen:

FRIEDRICH, G.; Petzold, H. 2008: Handbuch Obstsorten. 300 Obstsorten in Wort und Schrift. Stuttgart.

HEESFELDER MÜHLE e.V. (Hrsg.) 2004: Anlage und Pflege von Streuobstwiesen. Modellvorhaben "Obstwiesenschutz NRW" Region Süderbergland. Halver.

RIESS, H. W. 2015: Obstbaumschnitt in Bildern. Kernobst - Steinobst - Beerensträucher - Veredelung. 32. Auflage, München.

SANDERS, R. 2012: Das Apfel-Buch. Bielefeld.

STANGL, M. 2007: Obstbaumschnitt. 7. Auflage, München.

 

 

Ansprechpersonen

Stephanie Bednarz & Patrick Matuszewski (Gehölze), Armin Jagel & Corinne Buch (Wiesen & Arten)


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