Kreisgruppe Bochum

Getarnter Mönch in Weitmar

30. August 2020 | Tiere in Bochum

Immer wieder gelingen Funde seltener Arten im Siedlungsbereich. Der Mensch steht begeistert davor und staunt.

Beifußmönch (Cucullia absinthii) in Bochum  (© Armin Jagel)

Mitten in Weitmar sitzt ein einzelner Mönch, der Beifuß-Mönch (Cucullia absinthii). Dies ist ein Nachtfalter, dessen Raupe sich so gut tarnt, dass man sie selbst mit geübten Blick kaum finden kann. Sie frisst bei uns an der Pflanze, nach der die Art benannt ist: dem Beifuß (Artemisia vulgaris). Wenn die Raupe ausgewachsen ist, verpuppt sie sich im Boden und im nächsten Jahr schlüpft daraus der etwa 4,5 cm große Falter. Er ist nachtaktiv und lässt sich kaum durch Licht anlocken, sodass man ihn noch seltener zu sehen bekommt, als die Raupe. In NRW ist der Beifuß-Mönch als selten eingestuft ("rare") und steht im Westfälischen Flachland auf der Roten Liste in der Kategorie "gefährdet" (RL 3). Außerdem ist er gesetzlich geschützt. Im Moment sind nur sehr wenige Fundpunkte im Land bekannt, obwohl jeder Schmetterlingsfreak danach sucht.

Da wundert man sich aber doch eigentlich, weil die Futterpflanze der Raupen bei uns noch häufig zu finden ist. Man muss aber wohl berücksichtigen, dass die Futterpflanzen bei uns in der Regel zu früh abgemäht werden und dass die erwachsenen Schmetterlinge oft ganz andere Bedürfnisse haben als die Raupen. Welche Ansprüche selten gewordene Arten haben, ist im Detail oft gar nicht bekannt. Meist fehlen ihnen heute die gewohnten, ihnen zusagenden Lebensräume. Um so erstaunlicher dann aber, dass sich der Beifuß-Mönch bei uns mitten im Zentrum von Weitmar eingefunden hat, in einem "ungepflegten" Randstreifen einer Nebenstraße. Ein Plädoyer dafür, nicht immer alles ordentlich aufzuräumen und wie wichtig solche Kleinstbiotope sind!

Und wie geht es weiter mit unserem Bochumer Beifuß-Mönch? An der Stelle wird demnächst ein Parkplatz gebaut. Die im Boden ruhende Puppe wird dann umgegraben oder mit Asphalt übergossen. Damit das nicht passiert, haben wir die Raupe umgesetzt, an eine Stelle, die hoffentlich etwas länger Bestand hat.

(Armin Jagel, 30.08.2020)

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