Kreisgruppe Bochum

Frage

In bestehenden und neu gebauten Wohngebieten entsteht eine erhebliche Flächenversiegelung
durch den ruhenden PKW-Verkehr. Negative Folgen  sind unter anderem ein schnelleres Aufheizen tagsüber und eine geringere Abkühlung nachts, trockenere und staubigere Luft, kein Eindringen des Niederschlagswassers in den Boden.
Werden Sie sich für die Planung autofreier Wohnbaugebiete einsetzen? Wenn ja, wo
können Sie sich das vorstellen?
Welche Maßnahmen werden sie ergreifen, um auch in bestehender Bausubstanz eine
Versickerung von Regenwasser zu erreichen?

SPD

Quartiere brauchen ein bürgernahes, aktives Management, sie benötigen attraktive Aufenthaltsflächen, Wasserflächen, Einzelhandel, Ärzte, Quartiersgaragen, Zustellstationen für Servicedienstleistungen und Stationen für die Fahrrad- oder Autoleihe. Statt auf Konfrontationserklärungen an Autos setzt sich die SPD deshalb für intelligente, mit den Bürger*innen besprochene Lösungen ein: Mobilitätsstationen wie im Flüsseviertel oder weniger PKW-Stellflächen, dafür Quartiersgaragen wie im neuen Altenbochumer Feldmark-Viertel. Stichwort: Autoarme Quartiere.
Die Stadtverwaltung ist mit einem Versiegelungskataster auf der Zielgeraden. Kleinteilige Entsiegelung, Dachbegrünungen oder Regenrückhaltung auf vorhandenen Grünflächen werden künftig sicher eine stärkere Rolle spielen. Bei Neubau wird heute schon auf Versickerung vor Ort geachtet. Der Ostpark in Laer ist ein sehr gutes Bespiel für den nachhaltigen Umgang mit Wasser. Weitere Forderungen: Höher bauen, um den Flächenverbrauch zu begrenzen. Naturschutzgebiete ausweiten.

BÜNDNIS 90 / Die Grünen

Wir streben autoarme Quartiere an. Diese sind grundsätzlich an allen größeren derzeit in Planung befindlichen Wohnprojekten gut vorstellbar, weil diese bereits sehr gut am ÖPNV angebunden sind: Gerthe West, Wattenscheid Bahnhof oder Ostpark. Aber auch für kleinere Quartiere wie am Schlosspark Weitmar fordern wir das bereits.

Für bestehende Gebäude braucht es mehr Anreize für Eigentümer. Derzeit erlaubt die Abwassergebührensatzung der Stadt bereits komplett entsiegelte Flächen wie etwa Rasenflächen im Garten von der Gebühr zu befreien. […] Mit der Änderung der Satzung möchten wir angesichts der Trockenheit der letzten Jahre erreichen, dass der Wasserkreislauf durch die richtige Wahl des Pflasters vermehrt seinen natürlichen Weg gehen kann, damit der Grundwasserspiegel insgesamt erhöht wird. […] Wer das Wasser versickern lässt, sollte von der Abwassergebühr befreit werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Beantragung bei Grundstücksflächen unter 1000 m² möglichst unbürokratisch bei der Verwaltung beantragt werden kann. […]

(Anm. d. Red.: Die Antwort wurde gekürzt.)

CDU

Autofreie Wohngebiete müssen von den Bürgerinnen und Bürgern  auch angenommen werden. Gerade im Ruhrgebiet sind viele auf ihr Auto angewiesen. Keine Stellplätze in einem Wohngebiet auszuweisen führt zu einer Verdrängung und Verlagerung des Parkdrucks.
Auch hier wollen wir private Hausbesitzer dabei unterstützen, entsprechende  Umbauten, dort wo es möglich ist, vorzunehmen. Dies ist auch mit einer finanziellen Entlastung bei den Abwassergebühren verbunden.

FDP

Für Neubaugebiete gilt es, Flächenversieglungen zu vermeiden oder auszugleichen (siehe vorherige Antworten). Darüber hinaus wollen wir auch in der bestehenden Substanz Flächenversieglungen verringern, indem wir diese Maßnahmen an planbaren Bau- und Sanierungsarbeiten koppeln. So wollen wir gleichzeitig kosteneffizient und nachhaltig zu einem grüneren Bochum beitragen.

Die LINKE

Bereits in dieser Wahlperiode haben wir beantragt, das Neubauviertel an der Wielandstraße als autofreies Quartier zu planen. Leider hat die Ratsmehrheit von SPD und Grünen den Beschluss verhindert, so dass dort nun ein konventionelles Besserverdienenden-Quartier
ohne besonderen ökologischen Anspruch und ohne eine einzige Sozialwohnung entsteht. Mit einer starken Fraktion im Rat werden wir uns auch zukünftig für Pilotprojekte der sozial- ökologischen Stadtplanung stark machen.
Die Entsiegelung bisher befestigter Flächen und die Schaffung von Versickerungsmöglichkeiten für die Abflüsse von versiegelten Flächen hat Priorität. Auf städtischen Grundstücken und bei den städtischen Tochterunternehmen sowie bei der mehrheitlich städtischen Wohnungsgesellschaft VBW soll geprüft werden, wo es Flächen gibt, die zwar selten genutzt werden, aber dennoch versiegelt sind. Das Ziel ist, vorhandene Versiegelung völlig zu beseitigen oder zumindest durch einen wasserdurchlässigen Belag zu ersetzen.

Soziale Liste

Siehe Antworten weiter oben.

Stadtgestalter

Neue Wohngebiete sollen zukünftig durchgehend autofrei geplant werden. Die Autos werden in Quartiersparkhäusern abgestellt, statt vor
den Häusern, Ausnahmen gelten bei Anlieferungen und für mobilitätseingeschränkte Menschen.
Bestehende Wohnquartiere sollen in gleicher Weise Quartiersparkhäuser erhalten, damit der Verkehr auf den Wohnstraßen
dort ebenfalls weit möglichst reduziert werden kann.
Im öffenlichen Raum muss mehr unternommen werden, damit das Regenwasser vor Ort versickert und nicht in die Kanalisation geleitet
wird. Dazu müssen z.B. mehr Bioswales an Straßen geschaffen werden.
Für die privaten Eigentümer müssen Anreize geschaffen werden, Regenwasser versickern zu lassen. Zuletzt hat der Rat auf unsere
Anregung hin beschlossen, die Entwässerungsgebühren für diesen Fall zu reduzieren.